Stellungnahme der Tauschkreise östlich München und die Antwort des VzFbE e.V.

Wir veröffentlichen hier gern die Stellungnahme dieser fünf Tauschkreise:

  • Talente – Tauschring Vaterstetten und Umland (HVZ)
  • Talentetausch – Region Grafing (TTG)
  • Kirchheimer Talentetausch (KiTT)
  • Talente – Brunnen südl. Landkreis München (TBH)

und unsere Antworten darauf, denn wir sind sicher, dass diese für alle Tauschringe von großer Bedeutung sind.

Antworten des VzFbE e.V.

Liebe TeilnehmerInnen des Regio-Treffens der Tauschkreise östlich von München,

zunächst danke für Eure Stellungnahme.

Wir nehmen sie zum Anlass, eine Reihe von darin vorgebrachten Fragen grundsätzlich zu beantworten bzw. Missverständnisse auszuräumen – das heißt auch grundsätzlich für alle anderen Tauschringe.

Wir stellen aber auch klar, dass wir hier nur für den Verein zur Förderung von bürgerschaftlichem Engagement e.V. antworten können. Das BATT 2013 Organisationsteam arbeitet völlig autonom und ist nicht Bestandteil des Vereins. Auch kommende Organisatoren werden dies sicher nicht sein.

Thema „Interessengemeinschaft der Tauschringe“

Zu diesem Thema fand in Büdingen 2012 ein Workshop statt. Dort wurden mehrere Thesen und Tauschringdefinitionen diskutiert. Am Ende dieses Workshops wurde von den TeilnehmerInnen des Workshops eine Liste aufgestellt, in die sich insgesamt 19 Personen auf eigene Initiative eingetragen haben. Titel dieser Liste: „Ich / wir möchten einen Interessenverband / -verein gründen / beitreten“. Die Gründung einer solchen IG ist demnach nicht auf eine unauthorisierte Aktivität des Vereins zur Förderung von bürgerschaftlichem Engagement e.V. zurückzuführen.

Inhaltlich ist zudem klar, daß, wer auch immer für diese IG sprechen wird, nur für die Tauschringe sprechen kann, die sich in der erarbeiteten Definiton auch wiederfinden. Niemand will auch nur einen Tauschring vertreten, der das nicht will. Im Übrigen fallen ja einige der von Euch beschriebenen Tauschkreise zumindest teilweise unter die in Büdingen 2012 erarbeiteten Definitionen.

Im Übrigen haben wir die in Büdingen erarbeitete Definition auch nicht als kleinsten gemeinsamen Nenner bezeichnet, sondern als „kleinstes, gemeinsames Vielfaches“. Das ist ein wichtiger Unterschied, denn wir sehen und respektieren sehr wohl die Vielfalt, die bunte Mischung und die Diversität in der Tauschringlandschaft. Aber wir halten es für unabdingbar, für all diese Organisationen endlich eine klare gesetzliche Grundlage und politische Anerkennung zu erwirken, damit sie sich gerade in dieser Vielfalt entwickeln können und nachhaltigen Bestand erreichen. Auch deshalb haben wir uns sehr gefreut, dass das Thema „Interessengemeinschaft“ in Kassel wieder auf der Agenda steht. Wir vom VzFbE wünschen uns den kritischen Dialog mit allen Tauschringen. Nur so kann eine sinnvolle Entwicklung stattfinden. Wir würden uns sehr freuen, wenn müglichst viele Tauschringe im September nach Kassel kommen und sich aktiv in diese Diskussion einbringen.

Gleichzeitig würden sie auch ein deutliches Zeichen gegen die unsinnige Zweiteilung des Jahrestreffens setzen. Wir vom VzFbE werden da sein und freuen uns auf einen konstruktiven Dialog mit allen Tauschringen.

Bis bald in Kassel
Klaus Reichenbach, Peter Scharl, Birgit Schwetz-Erben

Stellungnahme des Regiotreffen der Tauschkreise östlich München

An die Organisatoren des

  • Vereins zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements (VzFbE eV)
  • BATT aktiv 2013 Büdingen
  • BATT 2013 Kassel

1. Zum VzFbE eV:

Der VzFbE hatte am 01. Juni unabhängig von allem BATT 2013 in Kassel und BATT-aktiv 2013 in Büdingen zur Gründung einer „Interessensgemeinschaft der Tauschringe“ nach Kassel eingeladen. In wie weit diese Aktion mit den Organisatoren von BATT aktiv 2013 – Büdingen und BATT 2013 in Kassel abgestimmt war, entzieht sich unserer Kenntnis. Lt. Protokoll ist die Gründung einer „Interessensgemeinschaft der Tauschringe“ jedoch vorerst nicht zu Stande gekommen.

Wir halten eine solche Interessensvertretung weder für sinnvoll noch zielfördernd für eine Unterstützung der Tauschkreise in ihrer täglichen Arbeit vor Ort.

Der durch die Veranstalter indirekt implizierte Zweck einer Reduzierung der Tauschsysteme auf den kleinsten gemeinsamen Nenner kann bei der Vielzahl und Unterschiedlichkeit der Tauschsysteme nicht funktionieren.

  • Es gibt bei uns eben Tauschsysteme, die sich als GbR verstehen und deren Teilnehmer Umsatz- und Körperschaftsteuerpflichtig sind und Tauschsysteme, die sich ausschließlich als organisierte Nachbarschaftshilfe mit ausdrücklichem Ausschluss von Gewerbe verstehen. Diese haben schon allein aus steuerrechtlichen Gründen nicht viel miteinander gemein.
  • Es gibt Tauschsysteme, die fast eine Art Regio- oder Komplementärwährung anstreben und Gewinnerzielungsabsichten zulassen und Tauschkreise, die die Gleichwertigkeit der Arbeit (Tauschzeit = Lebenszeit) praktizieren und fördern.
  • Es gibt Tauschsysteme, die buchen akribisch ihre Tauschvorgänge und andere denen ist das gleichgültig bis hin zu jenen, die ihre Angebote verschenken.
  • Es gibt Tauschsysteme, die sind als gemeinnützig anerkannter eingetragener Verein organisiert und andere, die haben überhaupt keine Organisationsstruktur.

Es gibt eben ein sehr breites und buntes Spektrum, bei dem jeder einzelne Tauschkreis für sich zu entscheiden hat, wo er steht und was er will. Und das ist aus unserer Sicht gut so.

Einer gemeinsamen Interessenvertretung stehen aber nicht nur die zum Teil doch sehr unterschiedlichen Zielsetzungen und Organisationsformen der einzelnen Tauschsysteme entgegen, sondern vor allem auch die nicht zu lösende Frage, wer ist dazu berechtigt und darf mit welcher Legitimation überhaupt im Namen aller Tauschsysteme dann öffentliche Statements verkünden.

Eine in diesem Sinne konzipierte „Interessensvertretung der Tauschkreise“ schadet daher den Tauschkreisen eigentlich mehr, als dass sie ihnen nützt, denn jeder Tauschkreis wird dann in der Diskussion mit seiner Öffentlichkeit vor Ort mit irgendwelchen Statements konfrontiert und muss sich beständig damit auseinandersetzen und rechtfertigen, „dass das ja bei uns ganz anders ist“.

2. Zu BATT -aktiv 2013 in Büdingen und BATT 2013 in Kassel:

Unserer Meinung nach hat das BATT als Kommunikationsplattform für den bundesweiten Erfahrungsaustausch zwischen den Tauschkreisen seine unbestrittene Berechtigung und Bedeutung.

Die Bildung von Arbeitsgruppen zur Vertiefung einzelner Themen auf einem BATT macht auch durchaus Sinn. Auch der Festlegung gewisser Plattformen, wie „tauschringadressen.de“ als gemeinsamer Link aller Tauschkreise, oder „tauschwiki.de“ als Diskussionsforum können wir nur zustimmen. Aber auch das BATT kann, wenn überhaupt, nur Anregungen und Empfehlungen an die Tauschkreise weitergeben. Der Versuch, aus dem BATT ein Miniformat der VzFbE- Interessensvertretung zu machen, ist in der Vergangenheit zu recht schon mehrfach gescheitert.

Auf dem BATT 2013 wird eine klare Information von den auf dem BATT 2012 gewählten Organisatoren über die unterschiedlichen Standpunkte beider Gruppen eingefordert, damit die vielen Tauschringe, die die internen Auseinandersetzungen zwischen BATT-aktiv 2013 Büdingen und BATT 2013 Kassel aus der Ferne gar nicht nachvollziehen können, sich selbst ein Bild darüber machen können. Die Teilnehmer des BATT 2013 und das neu zu wählende BATT-Orgateam möchten wir dazu aufrufen, im kommenden Jahr wieder EIN GEMEINSAMES BATT 2014 zu organisieren und nicht mehrere. Vor allem für kleinere Tauschkreise aus den entfernteren Teilen des Landes ist es sowohl aus organisatorischen als auch aus Kostengründen nicht möglich, im Jahr zu mehreren BATT – Treffen zu kommen.

Regiotreffen der Tauschkreise am 19.07.2013:

  • Talente – Tauschring Vaterstetten und Umland (HVZ)
  • Talentetausch – Region Grafing (TTG)
  • Kirchheimer Talentetausch (KiTT)
  • Talente – Brunnen südl. Landkreis München (TBH)

BATT 2012 endet in großer Harmonie

Mit der Gründung einer Interessengemeinschaft deutsche Tauschringe, die ihre Arbeitsmöglichkeiten unter dem Dach des Vereins zur Förderung von bürgerschaftlichem Engagement e.V. gefunden hat, endete am Sonntag Mittag das Bundesarbeitstreffen der Tauschringe 2012 in Büdingen. In einer großen Diskussionsrnde waren am Samstag grundlegende Leitlinien abgestimmt worden, die in Zukunft Basis für die Arbeit der IG sein sollen. Sie fanden auch im Abschlussplenum viel Zustimmung, so dass sich weitere InteressentInnen für eine Mitarbeit fanden. Die TeilnehmerInnen kommen derzeit aus Kaufbeuren, Aschaffenburg, Düsseldorf, Freiburg, Schwäb. Gmünd, Berlin-Kreuzberg, Dachau, Wuppertal, München, Kassel, dem Elbtal und vielen mehr. Die Aktionen und Ergebnisse der Interessengemeinschaft dürften auch in der Politik aufmerksam verfolgt werden.

Mit weiteren Themen zeigten sich die Veranstalter und TeilnehmerInnen aktuell und teilweise auch visionär. Die Idee einer bundesweiten Zeitstiftung bzw. Bank wurde diskutiert und wird sich sicher entwickeln. Die gemeinsame Vorstellung der aktuell tätigen Clearing- und überregionalen Verrechnungsstellen führt wohl künftig ebenfalls zu einem deutlich verbesserten Informationsfluss. Die wichtigsten überregionalen Tauschplattformen werden in der Folge ihres gemeinsamen Seminars enger zusammen arbeiten.

Für die Bearbeitung und Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen hat sich eine große, fachlich versierte und erfahrene neue Arbeitsgruppe unter Leitung von Elisabeth Fahlbusch aus München gegründet. Eine enge Kooperation mit der Interessengemeinschaft deutsche Tauschringe ist vorgesehen.
Klaus Reichenbach

BATT 2012 – Dokumentationen

Hilfe! Mein Tauschring braucht eine Grundlage!
Organisationshilfen, Handbücher, Leitfäden, Aktionen, Unterstützung uvm. – Kurzpräsentation, Linksammlung Zusammenfassung von Klaus Reichenbach.
Alle Informationen finden Sie kompakt zusammengefasst mit entsprechenden Links zum direkten Klick in dieser PDF Datei:
Grundlagen_Hilfen
(Dieses Werk bzw. sein Inhalt steht unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz.)

Solidarische Ökonomie und Tauschringe
Bis dahin ist es eine Idee, eine Einführung ins Thema. Ich denke, es wäre an der Zeit, die Ökonomie weltweit neu auszurichten, weg von dem ständigen Schrei nach Wachstum und Gewinnmaximierung. Wohin das letztlich führt, zeigt der Tanz um den Euro gerade sehr deutlich. Solidarische Ökonomie wäre da ein wunderbares Gegengewicht und Tauschringe haben das per se in ihren Grundregeln schon eingebaut. Wie können wir das nutzen? Wollen wir es überhaupt? Und – Tauschringe sind möglicherweise der ideale Rettungsanker, wenn der Euro platzt. Im Kern hat jeder Tauschring die Grundlagen für ein solidarisches Wirtschaften angelegt. Gleicher Lohn für alle, bei rein zeitbasierten sogar gleicher Lohn bei „ungleicher“ Qualifikation, keine Verzinsung von Guthaben, keine Zinsen für Kredite (Kontenüberziehung). Und trotzdem kann man damit auch noch solidarisch anderen Menschen helfen. Die niederländische Stiftung „Aktie Strohalm“ z.B. hat ein System entwickelt, dass es erlaubt, Zeitguthaben in die dritte Welt zu transferieren und dort mit Tauscheinheiten Entwicklungshilfeprojekte zu stützen.
Klaus Reichenbach

Dateien zum Download:

Solidarische Oekonomie und Tauschsysteme_praesentation
PDF Präsentation mit Überblick zum Thema

Solidarische_Oekonomie_batt_2012_kr_text_lang
PDF Textdatei mit umfangreichen Informationen