Antworten auf das Papier der 4 Berliner Tauschringe vom 25.05.2013

Die Überschrift täuscht, das liegt aber an der leider in dem Papier und den zugehörigen Mails und sonstigen Veröffentlichungen, die auf dieses Fragenpapier aufmerksam machten.

Kurz und gut; dies sind die Antworten auf ein Papier, dass von fünf Berliner Privatpersonen, die zufällig auch MItglied in vier unterschiedlichen Berliner Tauschringen sind. Uns sind leider nur zwei Namen bekannt, aber wer von den fünf (vielleicht ja auch alle) die Autorenschaft verantwortet, wissen wir noch nicht.

Im Zusammenhang mit der Interessengemeinschaft deutsche Tauschringe (IG Tausch)  erscheint uns die Beantwortung der Fragen aber durchaus sinnvoll.

Nachfolgend also so was wie eine FAQ zur IG Tausch:

:: Kommunikation mit Tauschringen

An wen wurde die Einladungs-E-Mail (vom 20.5.2013) adressiert?
An alle dem VzFbE e.V. bekannten Tauschringadressen.

Wurden tatsächlich alle Tauschringe angeschrieben?
Das weiß niemand. Wir haben an alle für uns erreichbaren Tauschringe geschrieben (über 350 Mailadressen).

Wie wurden die angeschriebenen Tauschringe ausgewählt?
Überhaupt nicht. Es wurden alle, deren Adresse verfügbar war, angeschrieben.

Wussten alle Tauschringe von der bisherigen Planung der Interessengemeinschaft?
So weit wir sie erreichen konnten per Mail, Forum der AG Tauschringe im Dialog und eigene Webseite.

Welche Möglichkeiten hatten die Tauschringe, sich untereinander inhaltlich auszutauschen und darüber zu diskutieren?
z.B. über das Forum der AG Tauschringe im Dialog

:: Interessengemeinschaft deutsche Tauschringe“, VzFbE e.V. und die Tauschringe

Das angehängte Grundsatzpapier wurde auf Briefpapier des VzFbE e.V. geschrieben und bewirbt eine kostenpflichtige Mitgliedschaft im VzFbE e.V., ohne Erwähnung der Interessengemeinschaft deutsche Tauschringe. Warum?
Weil dies das endgültige Ergebnis vom BATT-Aktiv 2012 in Büdingen war und genau in dieser Form seit 18.10.2012 öffentlich ist.

Was haben die Interessengemeinschaft deutsche Tauschringe und der VzFbE e.V. miteinander zu tun?
Viel, sie kooperieren.

Warum spricht das Grundsatzpapier von Tauschsystemen, die Einladung aber von einer Interessengemeinschaft deutscher Tauschringe?
Weil das die Sprachregelung der Teilnehmer an der Veranstaltung dazu in Büdingen 2012 war und der VzFbE das nicht eigenmächtig ändern wollte.

Es wird eine kostenpflichtige Mitgliedschaft für Tauschringe im VzFbE e.V. beworben. Laut Satzung §5 (1 und 3) des VzFbE e.V. können Tauschringe nur Fördermitglieder werden, ohne passives oder aktives allgemeines Wahlrecht. Welches Stimmrecht hat die Interessengemeinschaft, die gegründet werden soll?
Nach aktueller Satzung keins. Aber a) können Mitglieder der IG Mitglied im Verein werden oder b) kann man Satzungen auch ändern.

Wie können die teilnehmenden Tauschringe – als Fördermitglieder – auf die Tätigkeiten des Vereins und des Vorstandes Einfluss nehmen? (inhaltlich, strukturell und finanziell)
Gar nicht, so steht es in der Satzung. Der Verein wird aber sicherlich zumindest Vorschläge der Fördermitglieder in seinen Entscheidungen berücksichtigen.

Ist eine Teilnahme an der „Interessengemeinschaft deutsche Tauschringe“ möglich, ohne Mitglied des VzFbE e.V. zu werden?
Warum nicht?

Die Interessengemeinschaft deutscher Tauschringe hat bisher keinen klar definierten Rahmen. Es fehlen nachvollziehbare Informations- und Entscheidungsstrukturen. Welche Absicht wird mit der Gründung verfolgt? Geht es nur darum, möglichst viele Tauschringe als zahlende – aber stimmlose – „Masse“ in den Verein VzfbE e.V. einzubringen?
Nein, es geht darum eine gemeinsame Entwicklung nachhaltig und zukunftsorientiert voranzutreiben, gegenüber der Politik zu vertreten, während auf der anderen Seite ein praxisorientierter Service-Pool entsteht.

Fragen zur Satzung des VzFbE

Nach §9 (4) der Satzung des VzFbE e.V. ist jede Mitgliederversammlung beschlussfähig, unabhängig von der Anzahl der anwesenden Teilnehmer. Die Satzung sieht kein Quorum vor. Im Extremfall wäre die Mitgliederversammlung beschlussfähig, wenn nur eine einzige Person anwesend wäre. Diese eine Person könnte uneingeschränkt die Satzung ändern und über die Gelder des VzFbE e.V. verfügen. Ist das im Interesse der zahlenden Tauschringe, die als Fördermitglieder keinerlei Stimmrecht haben?
Das ist in Niemandes Interesse, sollte dieser Fall eintreten. Diese Regelung hat jedoch ganz andere Gründe. Ein bundesweit agierender Verein soll und muss extrem handlungsfähig sein und diese Regelung sorgt eher für eine hohe Mitgliederbeteiligung.

Bei den Aktivitäten, mit denen der VzFbE e.V. seinen Satzungszweck erreicht, geht es um die Unterstützung und Förderung von Schülern bei der Berufsfindung. Was hat das mit den Zielen von Tauschringen zu tun?
Es gibt eine große Anzahl von Tauschringen, die eine Mitgliedschaft für Jugendliche anbieten, die sich um die Integration von benachteiligten Jugendlichen kümmern. Und der Verein selbst ist zum einen aus der Tauschrinigbewegung entstanden, zum anderen aber auch durch die Teilnahme an einem europäischen Inklusionsprojekt geprägt.

Warum sollte ein Tauschring dem VzFbE e.V. beitreten?
Weil wir uns für eine zukunftsfähige Entwicklung der deutschen Tauschringen einsetzen. → http://vzfbe.org/interessengemeinschaft-deutsche-tauschringe/

:: Legitimation

Das Grundsatzpapier geht davon aus, dass alle Tauschringe gemeinsame Interessen haben. Diese werden als Leitziele und Kernforderungen benannt. Im Einleitungsschreiben (E-Mail) heißt es, dass es acht Monate keine Änderungsvorschläge hierzu gab. Jedwede bisherigen Versuche, gemeinsame Interessen zu formulieren, sind an fehlenden Gemeinsamkeiten und geringer Beteiligung der Tauschringe gescheitert.
Anmerkung VzFbE: Das Interesse und die Beteiligung an den bisherigen dazu aktiven Arbeitsgruppen war immer außerordentlich groß. Vor allem der Kreuzberger Tauschring hat sich seitens der Berliner Tauschringe dabei immer wieder beteiligt. Eure Aussagen stimmen also nicht. Es gab eine Fülle von bundesweiten Arbeitsgruppen, an der sich immer viele Tauschringe beteiligt haben.

Gibt es überhaupt Interessen und Forderungen, die alle Tauschringe gemeinsam haben?
Ganz offensichtlich gibt es die, denn sie wurden ja von einer relativ großen Gruppe von TeilnehmerInnen am BATT 2012 ausgearbeitet (ca. 30 TN). Die Liste zur Mitarbeit in der Interessengemeinschaft wurde zudem spontan aus dem Teilnehmerkreis erstellt. Da musste kein bischen Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Bedeutet Schweigen Zustimmung oder Desinteresse?
Der VzFbE hätte es sich einfach machen und das Schweigen nur als Zustimmung deuten können. Wir wollten jedoch, dass sich die Gruppenmitglieder und die Tauschringen weiterhin beteiligen (können) und haben daher erneut eingeladen.

Wie müsste die Interessengemeinschaft zusammengesetzt sein, damit Interessen und Ziele von über 300 Tauschringen öffentlich und in den Medien korrekt dargestellt werden können?
Das sollte die IG selbst definieren. Im übrigen dürfte sich das auch analog zu den teilnehmenden Tauschringen entwickeln.

Ist es überhaupt möglich, eine demokratisch sauber legitimierte Interessengemeinschaft zu organisieren und wie müsste diese aussehen?
Gegenfrage: Warum sollte das nicht möglich sein? Wo sich ein paar gleichgesinnte Menschen treffen, lassen sich auch leicht gemeinsam getragene demokratische Regeln einführen.

In wessen Namen will der VzFbE e.V. bzw. die Interessengemeinschaft Lobbyarbeit betreiben?
Im Namen der IG Mitglieder – und in seinem Namen.

Durch wen wird der „Sprecher“ legitimiert?
Durch eine Wahl innerhalb der IG.

Welche Personen und Organisationen dürfen sich der Interessengemeinschaft anschließen, welche nicht?
Wie der Name schon sagt, Tauschringe – wie sie ja auch im Papier durch BATT 2012 Teilnehmer definiert wurden.

Wie können Außenstehende feststellen, welche Gruppen und Einzelpersonen sich der Interessengemeinschaft tatsächlich angeschlossenen haben?
Das ist noch nicht entschieden, zumal dabei auch Datenschutz zu beachten ist.

Welchen organisatorischen und rechtlichen Rahmen hat die Interessengemeinschaft?

Welche Mindestanforderung an Transparenz sollte sich eine Interessengemeinschaft auferlegen?
Regeln, Tätigkeiten, Arbeitsergebnisse, Personalien sollten offen gelegt werden. Wie und in welcher Form ist noch offen.

Welche Forderung an Transparenz seitens der Interessengemeinschaft können Mitglieder einfordern und wie werden diese dann auch erfüllt?
Mitglieder bestimmen logischerweise selbst darüber, wer denn sonst?

:: Geld

Das Grundsatzpapier bewirbt die kostenpflichtige Mitgliedschaft im VzFbE e.V., lässt aber offen, wofür die eingenommenen Mitgliedsbeiträge verwendet werden sollen.
Siehe → http://vzfbe.org/interessengemeinschaft-deutsche-tauschringe/
Abschnitt „
Mitgliedschaft für Tauschsysteme im VzFbE e.V. – Die Vorteile:“

Der VzFbE e.V. besteht seit 2006 und hat bereits mehrmals Gelder von Tauschringen verwaltet.
Der Verein hat nie Gelder von Tauschringen verwaltet. Er hat das Bundestreffen 2007 durchgeführt. Dazu wurden Fördermittel aquriert, die durch Teilnehmerbeiträge ko-finanziert wurden. 2012 hat der Verein auf einstimmigen Beschluss des BATT 2012 Orga Teams sein Konto für alle unbaren Einnahmen und Ausgaben zur Verfügung gestellt.

Der VzFbE e.V. war an der finanziellen Abwicklung des Bundestreffens 2007 in Kassel beteiligt.
Wie ist er mit den Mitteln damals umgegangen?
Sparsam und wirtschaftlich, wie es die Förderbedingungen vorschreiben.

Haben die Teilnehmer des Bundestreffens 2007 eine Abrechnung erhalten?
Nein, aber das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und damit auch die EU Kommission. Der Verein hat die Schlussrate in Höhe von 1.967,94 Euro bis Heute nicht erhalten, da das BMAS immer noch keinen Schlussbescheid für das damalige Gesamtprojekt Open Paths erstellt hat. Um die daraus folgende Frage gleich zu beantworten: das liegt weder am VzFbE noch an den acht weiteren Trägern, die den Projektverbund gebildet haben, sondern am Ministerium.

Der VzFbE e.V. hat für die finanzielle Abwicklung (Eingang der Teilnahmebeträge und Spenden, Zahlung der entstandenen Kosten) im Vorfeld des BATT 2012 sein Konto zur Verfügung gestellt.
Wie viel Euro hat der VzFbE e.V. im Rahmen des BATT 2012 eingenommen?
Siehe
http://vzfbe.org/tatigkeitsbericht-20112012/

An wen wurden diese Beträge weitergegeben?
Nach Rechnungstellung an die JH Büdingen.

Welche Beträge ruhen vielleicht noch auf diesem Konto und wer entscheidet nun über deren Verwendung?
350,00 Euro aus Spenden. Daraus müssen aber noch die Reisekosten des BATT 2012 Teams gezahlt werden. Das hat sich 2 mal zur Vorbereitung in Büdingen getroffen. Der Betrag reicht für ca. 30% der angefallenen Reisekosten. Über Verwendung und Aufteilung entscheidet das BATT Orga Team.

In welcher Art und Weise soll bei einer Interessengemeinschaft über die Verwendung von Mitgliederzahlungen und Spendengeldern entschieden werden?
Über die Verwendung von Mitgliedsbeiträgen und Spenden entscheidet die Mitgliederversammlung. Die Vorschläge von Fördermitgliedern werden dabei berücksichtigt.

Welche Rechenschafts- und Informationspflichten haben Vorstand des VzFbE e.V. und „Sprecher“ der Interessengemeinschaft gegenüber den angeschlossenen Tauschringen?
Der / die Sprecher/in wird von der IG gewählt, ist ihr also Rechenschaft pflichtig. Alles andere hängt en Detail auch vom Mitgliedsstatus im Verein ab

:: Kernforderungen zur Bundestagswahl

Das Grundsatzpapier enthält mehrere Forderungen zur Bundestagswahl.

Wer stellt eigentlich diese Forderungen? Der VzFbE e.V.?
Die fünf Kernforderungen basieren auf der Entwicklung von Tauschringen und -systemen in anderen Europäischen Ländern wie Großbritannien, Österreich oder z.B. Italien. Dort sind Tauschringe u.a. als Gemeinnützig anerkannt, auch wenn einzelne Mitglieder durchaus gewerbliche Interessen verfolgen. Der gemeinschaftliche Nutzen eines Tauschrings wird jedoch weitaus mehr wertgeschätzt.

Haben Tauschringe überhaupt gemeinsame Forderungen an den Gesetzgeber?
Gibt es überhaupt die Tauschringe? Nein, es gibt eine Vielzahl von Tauschringen, die seit 1997 immer wieder nach einem oder dem gemeinsamen Nenner suchen. Und es gab schon 1998 eine Aktion zur Bundestagswahl, die von sehr vielen Tauschringen mitgetragen wurde.

Ist die Forderung nach staatlicher Finanzierung im Interesse der vielen Tauschringe, die sich als Teil einer Graswurzelbewegung ohne Geld und unabhängig vom Staat verstehen?
Die Frage stellt sich so nicht. Wer ist denn der Staat? Der Staat sind seine BürgerInnen, die wiederum Mitglieder von Tauschringen sein können. Die Frage ist doch, in welcher Form eine Förderung stattfindet. Zum Beispiel als Anspruch auf Sachmittel wie Räume, Telefon etc. wie in Italien? Oder durch die Anerkennung als gemeinnützige Organisationen, wie in Großbritannien oder beides plus Fördermittel wie in Österreich? Oder gar Tauschringindividuell, also von ganz ohne Förderung bis hin zu? Hier werden Ängste und Vorbehalte geschürt, ohne das dazu ein konkreter Grund besteht.

Klaus Reichenbach

Interessengemeinschaft deutscher Tauschringe – Mitgliederumfrage

Eine Interessengemeinschaft auf Bundesebene wird vor allem für eine effektive Vernetzung und politische Lobbyarbeit gewünscht. Von den Mitgliedern der IG wird aber auch ganz konkrete Unterstützung auf der Tauschringebene vor Ort gewünscht (Seminare, Moderation, Mitgliederwerbung etc.).
Das wiederum spiegelt sich in den konkreten Angeboten wieder, die aus den Reihen der Mitglieder der Interessengemeinschaft deutscher Tauschringe gemacht wurde. Sehr viele dieser Unterstützungsangebote können bundesweit abgerufen werden, aber nicht alle. Als Gegenleistung wird in der Regel die Fahrtkostenübernahme erwartet und eine Vergütung in Zeiteinheiten.

Diese Ergebnisse findet Ihr hier zum nachlesen:
ergebnisse_ig_umfrage

Tauschsysteme: Gelebte Solidarität!?

Motto und inhaltliche Schwerpunkte | Bundes-Arbeitstreffen der Tauschsysteme 2013

Tauschsysteme: Gelebte Solidarität!?

Unter diesem Motto stehen grob zusammengefasst die nachfolgenden fünf Themen.
Sie wurden mit Hilfe einer offenen Fragebogenaktion von ca. Februar bis Ende Mai 2013 auf batt-online.de  entwickelt und dienen als kreative Arbeitsgrundlage und Ausgangpunkt für die Weiterentwicklung.

Tauschringentwicklung – Zukunft
Dieser komplexe Bereich umfasst  Themen wie “gerechte“ Mitgliedsbeiträge, sichere "Finanzierung" des Systems, Aktivierung von Mitgliedern, Nachwuchs-Gewinnung bzw. Mitgliederwerbung aus allen sozialen / gesellschaftlichen Bereichen usw.. Berührt werden immer mal auch andere hochaktuelle Themen wie Zeitbank, Gemeinwohlökonomie (hier auch das politische Schlüsselthema 2013: Gemeinnützigkeit) oder Grundeinkommen.
Z. B. hatte schon Mitte der 90er Jahre so mancher Tauschfan die Idee, Zeiteinheiten für Krankheitsfälle oder das Alter anzusparen. Damals wie heute scheiterte das zuallererst daran, dass jede Organisation, die auch nur Begriffe wie Tauschring, Zeitbank o.Ä. in ihren Prospekten oder der Satzung führt, pauschal nicht als gemeinnützig anerkannt wird. Andere Länder – andere Handhabung:  bis hin zur Etablierung und Verwaltung über z.B. die Gemeindeebene in EU-Staaten oder Einarbeitung in die Staatspolitik reicht da die Bandbreite.
Hier kann –  möglicherweise getragen von gemeinsamer Lobbyarbeit – der Schlüssel liegen, der große Möglichkeiten zur Veränderung der aktuellen wirtschaftlichen Situation unserer Gesellschaft und der unserer Nachbarn auftut.
Regionale Vernetzung ist gut – als engagierter Bürger die großen überregionalen Zusammenhänge und Zeichen der Zeit erkennen kann noch wesentlich besser sein, oder?

Soziale und ökonomische Relevanz
Wie definieren Tauschringe ihren gesellschaftlichen Wert? Wo sehen sie selbst ihren Platz in der Gesellschaft? Liegt ihre Bedeutung eher im sozialen oder im ökonomischen Kontext? Oder sehen sich Tauschsysteme als Mischform, für die es noch keine juristische Grundlage gibt?

Gesellschaftliche Teilhabe, Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein
Tauschringe sind Organisationen, die in der Regel einen äußerst niedrigschwelligen Zugang für potentielle Mitglieder bieten. Sie werten sogenannte Hilfs- und Hausarbeit auf, besonders, wenn sie mit reiner Zeitverrechnung arbeiten.
Durch ihre besondere Form von Angebot und Nachfrage lassen sie einen selbstbestimmten Einstieg ins aktive Tauschen  zu. Für geleistete Arbeit erhält ein Mitglied immer direkte Rückmeldung. Eine Ausbildung für die angebotenen Tätigkeiten ist meist nicht zwingend erforderlich. Soweit jedenfalls die Theorie. Damit könnten Tauschsysteme auch zu einem Grundeinkommen für alle BürgerInnen beitragen, möglicherweise können sie sogar als Pilot voran gehen und den Nachweis erbringen, dass ein solches Grundeinkommen ein belebendes Element ist.

Anders Wirtschaften –> Wertschaften (Fortführung “Solidarische Ökonomie”)
In Tauschsystemen geht es nicht um Wachstum, nicht um Profit. Trotzdem sind sie eine Form des Wirtschaftens. Da es keinen Zins gibt kann es aber dabei nicht um Geldgewinn gehen. Vielmehr geht es um einen gleichberechtigten Austausch von Waren und Dienstleistungen, um nachhaltiges Wirtschaften, Ressourcenschonung und die Erhaltung, manchmal auch Wiederbelebung von moralischen und ethischen Vorstellungen im menschlichen Miteinander des Privatlebens.
Letztlich geht es also um ein anderes Wertesystem – parallel zur Arbeitswelt. Wertschaften statt gewinnmaximierungs-orientiertem Wirtschaften, Ökonomie mit Solidareffekt. Nein, nicht jedes Tauschsystem verfolgt diesen Ansatz in aller Klarheit, doch liegt es im Kern eines jeden einzelnen: Es war und ist Teil der Vision "Tauschsystem" vieler Tauscher. Welche Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung fehlen uns dazu, wie können wir die gesellschafts-politischen Rahmenbedingungen schaffen?

Förderung von Bürgerengagement durch Tauschsysteme – Interessengemeinschaft
Tauschsysteme und ihre Anliegen sind als Idee und Vision auf der gesellschaftlichen und politischen Bühne durchaus wohlwollend betrachtet – so sie denn dort bekannt sind. Es geht dennoch nicht voran und hinkt der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung hinterher.
Bestes Beispiel hier die Steuerpolitik: ab 1997 gilt ein Erlass der Landesfinanzämter, der Tauschsystemen grundsätzlich die Fähigkeit zur Gemeinnützigkeit  abspricht. Finden sich im Regelwerk Begriffe wie Tausch, Tauschsystem oder -ring, Zeitbörse, Talentetausch oder Ähnliches wird anders als bei anderen Vereinen verfahren. Laut Gesetz ist es üblich, zunächst die Satzung zu prüfen. Es gibt eine lange Liste mit Formulierungen, die explizit für eine Gemeinnützigkeit stehen. Spiegelt das die Satzung wieder wird die Organisation vorläufig als gemeinnützig anerkannt. Dies wird per Körperschaftsteuererklärung zusammen mit den Einnahme-Überschuss-Rechnungen, den Protokollen der Mitglieder-versammlungen und den jährlichen Tätigkeitsberichten stets rückwirkend geprüft. Entspricht die tatsächliche Arbeit der vorgelegten Satzung wird weiterhin die Gemeinnützigkeit gewährt. Bei Tauschsystemen wird das ohne jegliche Prüfung negiert. Doch 75 % der Organisationen arbeiten mit Zeitverrechnung. Eine Begünstigung einzelner Mitglieder ist dabei schlecht möglich: Die Summe aller Mitglieder- und Systemkonten ergibt immer Null.
Ihr wichtiger Beitrag zum Gemeinwohl sollte den Tauschsystemen – wie z.B. in Italien – mind. auf kommunaler Ebene einen Anspruch auf Unterstützung mit Sachmitteln sichern, unentgeltliche Nutzung von Büroraumen, Kommunikations- und andere Ressourcen (auch z.B. im Austausch gegen Hilfen in Bürgerhäusern und anderen staatlichen Räumen) sollte selbstverständlich sein und wäre ein Gewinn für jede kommunale Körperschaft. Das sind nur zwei Beispiele.
  Doch wie können wir diese Akzeptanz und Wertschätzung in Gesellschaft und Staat erreichen? Es sind keine Ansprüche, die viel kosten – eigentlich kosten sie nichts, haben aber sicher weitreichende gesellschaftspolitische Auswirkungen.
Ohne solche Veränderungen sind Tauschsysteme oft und fortlaufend in ihrer Entwicklung und Vernetzung gebremst.
Um eine gesamtgesellschaftliche Wirkung zu erzielen und in der Politik ernst genommen zu werden müssen Tausch-systeme eine gut organisierte Lobbyarbeit zur Erhaltung von Rechten aufbauen. Der Grundstein wurde u. a. in Büdingen 2012 gelegt.
2013 ist möglicherweise ein epochales Wahljahr. Die Vergangenheit zeigt, dass besonders in solchen Phasen politische Erfolge leichter zu erreichen sind. Das BATT in Kassel sollte daher einen wirkungsvollen Meilenstein in der Entwicklung und Stärkung einer Interessengemeinschaft der Tauscher auf dem Weg zur rechtlichen, steuerlichen und politischen Gleichstellung mit jedem anerkannten bürgerlichen Engagement bilden.