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Interessengemeinschaft deutscher Tauschringe

Antworten auf das Papier der 4 Berliner Tauschringe vom 25.05.2013

Die Überschrift täuscht, das liegt aber an der leider in dem Papier und den zugehörigen Mails und sonstigen Veröffentlichungen, die auf dieses Fragenpapier aufmerksam machten.

Kurz und gut; dies sind die Antworten auf ein Papier, dass von fünf Berliner Privatpersonen, die zufällig auch MItglied in vier unterschiedlichen Berliner Tauschringen sind. Uns sind leider nur zwei Namen bekannt, aber wer von den fünf (vielleicht ja auch alle) die Autorenschaft verantwortet, wissen wir noch nicht.

Im Zusammenhang mit der Interessengemeinschaft deutsche Tauschringe (IG Tausch)  erscheint uns die Beantwortung der Fragen aber durchaus sinnvoll.

Nachfolgend also so was wie eine FAQ zur IG Tausch:

:: Kommunikation mit Tauschringen

An wen wurde die Einladungs-E-Mail (vom 20.5.2013) adressiert?
An alle dem VzFbE e.V. bekannten Tauschringadressen.

Wurden tatsächlich alle Tauschringe angeschrieben?
Das weiß niemand. Wir haben an alle für uns erreichbaren Tauschringe geschrieben (über 350 Mailadressen).

Wie wurden die angeschriebenen Tauschringe ausgewählt?
Überhaupt nicht. Es wurden alle, deren Adresse verfügbar war, angeschrieben.

Wussten alle Tauschringe von der bisherigen Planung der Interessengemeinschaft?
So weit wir sie erreichen konnten per Mail, Forum der AG Tauschringe im Dialog und eigene Webseite.

Welche Möglichkeiten hatten die Tauschringe, sich untereinander inhaltlich auszutauschen und darüber zu diskutieren?
z.B. über das Forum der AG Tauschringe im Dialog

:: Interessengemeinschaft deutsche Tauschringe“, VzFbE e.V. und die Tauschringe

Das angehängte Grundsatzpapier wurde auf Briefpapier des VzFbE e.V. geschrieben und bewirbt eine kostenpflichtige Mitgliedschaft im VzFbE e.V., ohne Erwähnung der Interessengemeinschaft deutsche Tauschringe. Warum?
Weil dies das endgültige Ergebnis vom BATT-Aktiv 2012 in Büdingen war und genau in dieser Form seit 18.10.2012 öffentlich ist.

Was haben die Interessengemeinschaft deutsche Tauschringe und der VzFbE e.V. miteinander zu tun?
Viel, sie kooperieren.

Warum spricht das Grundsatzpapier von Tauschsystemen, die Einladung aber von einer Interessengemeinschaft deutscher Tauschringe?
Weil das die Sprachregelung der Teilnehmer an der Veranstaltung dazu in Büdingen 2012 war und der VzFbE das nicht eigenmächtig ändern wollte.

Es wird eine kostenpflichtige Mitgliedschaft für Tauschringe im VzFbE e.V. beworben. Laut Satzung §5 (1 und 3) des VzFbE e.V. können Tauschringe nur Fördermitglieder werden, ohne passives oder aktives allgemeines Wahlrecht. Welches Stimmrecht hat die Interessengemeinschaft, die gegründet werden soll?
Nach aktueller Satzung keins. Aber a) können Mitglieder der IG Mitglied im Verein werden oder b) kann man Satzungen auch ändern.

Wie können die teilnehmenden Tauschringe – als Fördermitglieder – auf die Tätigkeiten des Vereins und des Vorstandes Einfluss nehmen? (inhaltlich, strukturell und finanziell)
Gar nicht, so steht es in der Satzung. Der Verein wird aber sicherlich zumindest Vorschläge der Fördermitglieder in seinen Entscheidungen berücksichtigen.

Ist eine Teilnahme an der „Interessengemeinschaft deutsche Tauschringe“ möglich, ohne Mitglied des VzFbE e.V. zu werden?
Warum nicht?

Die Interessengemeinschaft deutscher Tauschringe hat bisher keinen klar definierten Rahmen. Es fehlen nachvollziehbare Informations- und Entscheidungsstrukturen. Welche Absicht wird mit der Gründung verfolgt? Geht es nur darum, möglichst viele Tauschringe als zahlende – aber stimmlose – „Masse“ in den Verein VzfbE e.V. einzubringen?
Nein, es geht darum eine gemeinsame Entwicklung nachhaltig und zukunftsorientiert voranzutreiben, gegenüber der Politik zu vertreten, während auf der anderen Seite ein praxisorientierter Service-Pool entsteht.

Fragen zur Satzung des VzFbE

Nach §9 (4) der Satzung des VzFbE e.V. ist jede Mitgliederversammlung beschlussfähig, unabhängig von der Anzahl der anwesenden Teilnehmer. Die Satzung sieht kein Quorum vor. Im Extremfall wäre die Mitgliederversammlung beschlussfähig, wenn nur eine einzige Person anwesend wäre. Diese eine Person könnte uneingeschränkt die Satzung ändern und über die Gelder des VzFbE e.V. verfügen. Ist das im Interesse der zahlenden Tauschringe, die als Fördermitglieder keinerlei Stimmrecht haben?
Das ist in Niemandes Interesse, sollte dieser Fall eintreten. Diese Regelung hat jedoch ganz andere Gründe. Ein bundesweit agierender Verein soll und muss extrem handlungsfähig sein und diese Regelung sorgt eher für eine hohe Mitgliederbeteiligung.

Bei den Aktivitäten, mit denen der VzFbE e.V. seinen Satzungszweck erreicht, geht es um die Unterstützung und Förderung von Schülern bei der Berufsfindung. Was hat das mit den Zielen von Tauschringen zu tun?
Es gibt eine große Anzahl von Tauschringen, die eine Mitgliedschaft für Jugendliche anbieten, die sich um die Integration von benachteiligten Jugendlichen kümmern. Und der Verein selbst ist zum einen aus der Tauschrinigbewegung entstanden, zum anderen aber auch durch die Teilnahme an einem europäischen Inklusionsprojekt geprägt.

Warum sollte ein Tauschring dem VzFbE e.V. beitreten?
Weil wir uns für eine zukunftsfähige Entwicklung der deutschen Tauschringen einsetzen. → http://vzfbe.org/interessengemeinschaft-deutsche-tauschringe/

:: Legitimation

Das Grundsatzpapier geht davon aus, dass alle Tauschringe gemeinsame Interessen haben. Diese werden als Leitziele und Kernforderungen benannt. Im Einleitungsschreiben (E-Mail) heißt es, dass es acht Monate keine Änderungsvorschläge hierzu gab. Jedwede bisherigen Versuche, gemeinsame Interessen zu formulieren, sind an fehlenden Gemeinsamkeiten und geringer Beteiligung der Tauschringe gescheitert.
Anmerkung VzFbE: Das Interesse und die Beteiligung an den bisherigen dazu aktiven Arbeitsgruppen war immer außerordentlich groß. Vor allem der Kreuzberger Tauschring hat sich seitens der Berliner Tauschringe dabei immer wieder beteiligt. Eure Aussagen stimmen also nicht. Es gab eine Fülle von bundesweiten Arbeitsgruppen, an der sich immer viele Tauschringe beteiligt haben.

Gibt es überhaupt Interessen und Forderungen, die alle Tauschringe gemeinsam haben?
Ganz offensichtlich gibt es die, denn sie wurden ja von einer relativ großen Gruppe von TeilnehmerInnen am BATT 2012 ausgearbeitet (ca. 30 TN). Die Liste zur Mitarbeit in der Interessengemeinschaft wurde zudem spontan aus dem Teilnehmerkreis erstellt. Da musste kein bischen Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Bedeutet Schweigen Zustimmung oder Desinteresse?
Der VzFbE hätte es sich einfach machen und das Schweigen nur als Zustimmung deuten können. Wir wollten jedoch, dass sich die Gruppenmitglieder und die Tauschringen weiterhin beteiligen (können) und haben daher erneut eingeladen.

Wie müsste die Interessengemeinschaft zusammengesetzt sein, damit Interessen und Ziele von über 300 Tauschringen öffentlich und in den Medien korrekt dargestellt werden können?
Das sollte die IG selbst definieren. Im übrigen dürfte sich das auch analog zu den teilnehmenden Tauschringen entwickeln.

Ist es überhaupt möglich, eine demokratisch sauber legitimierte Interessengemeinschaft zu organisieren und wie müsste diese aussehen?
Gegenfrage: Warum sollte das nicht möglich sein? Wo sich ein paar gleichgesinnte Menschen treffen, lassen sich auch leicht gemeinsam getragene demokratische Regeln einführen.

In wessen Namen will der VzFbE e.V. bzw. die Interessengemeinschaft Lobbyarbeit betreiben?
Im Namen der IG Mitglieder – und in seinem Namen.

Durch wen wird der „Sprecher“ legitimiert?
Durch eine Wahl innerhalb der IG.

Welche Personen und Organisationen dürfen sich der Interessengemeinschaft anschließen, welche nicht?
Wie der Name schon sagt, Tauschringe – wie sie ja auch im Papier durch BATT 2012 Teilnehmer definiert wurden.

Wie können Außenstehende feststellen, welche Gruppen und Einzelpersonen sich der Interessengemeinschaft tatsächlich angeschlossenen haben?
Das ist noch nicht entschieden, zumal dabei auch Datenschutz zu beachten ist.

Welchen organisatorischen und rechtlichen Rahmen hat die Interessengemeinschaft?

Welche Mindestanforderung an Transparenz sollte sich eine Interessengemeinschaft auferlegen?
Regeln, Tätigkeiten, Arbeitsergebnisse, Personalien sollten offen gelegt werden. Wie und in welcher Form ist noch offen.

Welche Forderung an Transparenz seitens der Interessengemeinschaft können Mitglieder einfordern und wie werden diese dann auch erfüllt?
Mitglieder bestimmen logischerweise selbst darüber, wer denn sonst?

:: Geld

Das Grundsatzpapier bewirbt die kostenpflichtige Mitgliedschaft im VzFbE e.V., lässt aber offen, wofür die eingenommenen Mitgliedsbeiträge verwendet werden sollen.
Siehe → http://vzfbe.org/interessengemeinschaft-deutsche-tauschringe/
Abschnitt „
Mitgliedschaft für Tauschsysteme im VzFbE e.V. – Die Vorteile:“

Der VzFbE e.V. besteht seit 2006 und hat bereits mehrmals Gelder von Tauschringen verwaltet.
Der Verein hat nie Gelder von Tauschringen verwaltet. Er hat das Bundestreffen 2007 durchgeführt. Dazu wurden Fördermittel aquriert, die durch Teilnehmerbeiträge ko-finanziert wurden. 2012 hat der Verein auf einstimmigen Beschluss des BATT 2012 Orga Teams sein Konto für alle unbaren Einnahmen und Ausgaben zur Verfügung gestellt.

Der VzFbE e.V. war an der finanziellen Abwicklung des Bundestreffens 2007 in Kassel beteiligt.
Wie ist er mit den Mitteln damals umgegangen?
Sparsam und wirtschaftlich, wie es die Förderbedingungen vorschreiben.

Haben die Teilnehmer des Bundestreffens 2007 eine Abrechnung erhalten?
Nein, aber das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und damit auch die EU Kommission. Der Verein hat die Schlussrate in Höhe von 1.967,94 Euro bis Heute nicht erhalten, da das BMAS immer noch keinen Schlussbescheid für das damalige Gesamtprojekt Open Paths erstellt hat. Um die daraus folgende Frage gleich zu beantworten: das liegt weder am VzFbE noch an den acht weiteren Trägern, die den Projektverbund gebildet haben, sondern am Ministerium.

Der VzFbE e.V. hat für die finanzielle Abwicklung (Eingang der Teilnahmebeträge und Spenden, Zahlung der entstandenen Kosten) im Vorfeld des BATT 2012 sein Konto zur Verfügung gestellt.
Wie viel Euro hat der VzFbE e.V. im Rahmen des BATT 2012 eingenommen?
Siehe
http://vzfbe.org/tatigkeitsbericht-20112012/

An wen wurden diese Beträge weitergegeben?
Nach Rechnungstellung an die JH Büdingen.

Welche Beträge ruhen vielleicht noch auf diesem Konto und wer entscheidet nun über deren Verwendung?
350,00 Euro aus Spenden. Daraus müssen aber noch die Reisekosten des BATT 2012 Teams gezahlt werden. Das hat sich 2 mal zur Vorbereitung in Büdingen getroffen. Der Betrag reicht für ca. 30% der angefallenen Reisekosten. Über Verwendung und Aufteilung entscheidet das BATT Orga Team.

In welcher Art und Weise soll bei einer Interessengemeinschaft über die Verwendung von Mitgliederzahlungen und Spendengeldern entschieden werden?
Über die Verwendung von Mitgliedsbeiträgen und Spenden entscheidet die Mitgliederversammlung. Die Vorschläge von Fördermitgliedern werden dabei berücksichtigt.

Welche Rechenschafts- und Informationspflichten haben Vorstand des VzFbE e.V. und „Sprecher“ der Interessengemeinschaft gegenüber den angeschlossenen Tauschringen?
Der / die Sprecher/in wird von der IG gewählt, ist ihr also Rechenschaft pflichtig. Alles andere hängt en Detail auch vom Mitgliedsstatus im Verein ab

:: Kernforderungen zur Bundestagswahl

Das Grundsatzpapier enthält mehrere Forderungen zur Bundestagswahl.

Wer stellt eigentlich diese Forderungen? Der VzFbE e.V.?
Die fünf Kernforderungen basieren auf der Entwicklung von Tauschringen und -systemen in anderen Europäischen Ländern wie Großbritannien, Österreich oder z.B. Italien. Dort sind Tauschringe u.a. als Gemeinnützig anerkannt, auch wenn einzelne Mitglieder durchaus gewerbliche Interessen verfolgen. Der gemeinschaftliche Nutzen eines Tauschrings wird jedoch weitaus mehr wertgeschätzt.

Haben Tauschringe überhaupt gemeinsame Forderungen an den Gesetzgeber?
Gibt es überhaupt die Tauschringe? Nein, es gibt eine Vielzahl von Tauschringen, die seit 1997 immer wieder nach einem oder dem gemeinsamen Nenner suchen. Und es gab schon 1998 eine Aktion zur Bundestagswahl, die von sehr vielen Tauschringen mitgetragen wurde.

Ist die Forderung nach staatlicher Finanzierung im Interesse der vielen Tauschringe, die sich als Teil einer Graswurzelbewegung ohne Geld und unabhängig vom Staat verstehen?
Die Frage stellt sich so nicht. Wer ist denn der Staat? Der Staat sind seine BürgerInnen, die wiederum Mitglieder von Tauschringen sein können. Die Frage ist doch, in welcher Form eine Förderung stattfindet. Zum Beispiel als Anspruch auf Sachmittel wie Räume, Telefon etc. wie in Italien? Oder durch die Anerkennung als gemeinnützige Organisationen, wie in Großbritannien oder beides plus Fördermittel wie in Österreich? Oder gar Tauschringindividuell, also von ganz ohne Förderung bis hin zu? Hier werden Ängste und Vorbehalte geschürt, ohne das dazu ein konkreter Grund besteht.

Klaus Reichenbach

Was Tauschringe brauchen! Umfrage

Nachfolgend eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse aus der Umfrage „Was Tauschringe.brauchen“.
Von ca. 350 per Mail angeschriebenen Tauschringen und Tauschaktiven kamen 49 ausgefüllte Bogen zurück. Die Antworten wurden über ein fertiges System automatisch gezählt und gelistet. Die Ergebnisse wurden dann am Ende grafisch aufbereitet. Sie stehen mit allen Details hier am Ende des Beitrags als PDF zur Verfügung.
Spannend daran ist, dass es eine breite Übereinstimmung bei einigen Antworten gab.
Sehr viele Tauschringe wünschen offenbar Unterstützung bei der Aktivierung ihrer Mitglieder und bei der Gewinnung von jungen Mitgliedern.

Permanente Arbeitsgruppen sind laut Antworten zwar erwünscht, doch wird dann erwartet, dass deren Arbeit und Ergebnisse auf den Jahrestreffen der Tauschringe präsentiert und diskutiert werden. Eine Abkoppelung von den Bundesarbeitstreffen wird deutlich abgelehnt.

Überraschend das Ergebnis bei der Frage nach Art und Häufigkeit von Treffen sowie deren Gestaltung. Am häufigsten wurde hier der Wunsch nach Umlandtreffen (also im Umkreis von 50-100 km) genannt. Erst danach folgt das Bundesarbeitstreffen, das wiederum nur einmal im Jahr gewünscht wird.
Erstaunlich ist, dass eine inhaltliche und/oder organisatorische Unterstützung bei der Ausrichtung der Umlandtreffen durch die IG besonders oft genannt wurde. Vielleicht spiegelt sich darin ja sogar ein Wunsch in beiden Richtungen: einerseits wird eine stärkere direkte Vernetzung gewünscht, andererseits aber auch eine intensive „Erdung“ der IG damit verbunden ist.
Eine Interessengemeinschaft auf Bundesebene wird vor allem für eine effektive Vernetzung und politische Lobbyarbeit gewünscht. Von den Mitgliedern der IG wird aber auch ganz konkrete Unterstützung auf der Tauschringebene vor Ort gewünscht (Seminare, Moderation, Mitgliederwerbung etc.).

Klaus Reichenbach

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Interessengemeinschaft deutscher Tauschringe – Mitgliederumfrage

Eine Interessengemeinschaft auf Bundesebene wird vor allem für eine effektive Vernetzung und politische Lobbyarbeit gewünscht. Von den Mitgliedern der IG wird aber auch ganz konkrete Unterstützung auf der Tauschringebene vor Ort gewünscht (Seminare, Moderation, Mitgliederwerbung etc.).
Das wiederum spiegelt sich in den konkreten Angeboten wieder, die aus den Reihen der Mitglieder der Interessengemeinschaft deutscher Tauschringe gemacht wurde. Sehr viele dieser Unterstützungsangebote können bundesweit abgerufen werden, aber nicht alle. Als Gegenleistung wird in der Regel die Fahrtkostenübernahme erwartet und eine Vergütung in Zeiteinheiten.

Diese Ergebnisse findet Ihr hier zum nachlesen:
ergebnisse_ig_umfrage

Zeitbank-Modelle in Deutschland

:: Vorbemerkung
Die Idee, mit Zeitbanken fürs Alter vorzusorgen, stammt von verschiedenen Initiativen in Deutschland und Österreich. Zu den drei Säulen gesetzliche Rente, betriebliche Rente und private Rente kommt die vierte Säule „Zeitanspar-Rente“ hinzu, die das Leben im Alter absichern soll.
In Deutschland arbeitet aktuell nur eine kleine Zahl von Zeitbanken. Die Modelle unterscheiden sich nur marginal. Dieses Dokument beschreibt den aktuellen Stand der uns bekannten aktiven Zeitbanken, ihre Vorteile, die bestehenden Probleme und die mit der Idee verbundene Vision. Ergänzend bietet dieses Dokument einen Blick über den Tellerrand in andere Staaten der Europäischen Union.

Inhaltsverzeichnis
Zeitbank-Modelle in Deutschland
:: Was ist eine Zeitbank?
:: Funktionsweise
:: Mal ganz praktisch
:: Zeitbanken als Vorsorge-Modell
:: Vorteile von (Vorsorge)-Zeitbanken
:: Hindernisse und Probleme
:: Daten, Zahlen, Statistik
:: Bestehende Zeitbanken und Tauschringe mit Vorsorgezeitkonten
:: Beispiele aus anderen Ländern
:: Großbritannien
:: Österreich
:: USA
:: Danke

:: Was ist eine Zeitbank?

 


Eine Zeitbank ist in der Regel eine lokale Vereinigung zur Erbringung gegenseitiger Leistungen auf Grundlage einer geldlosen Tauschwirtschaft. Sie stellt eine organisierte Form der Nachbarschaftshilfe dar. Im Unterschied zu Tauschringen besteht bei Zeitbanken die explizite Möglichkeit ein Ansparguthaben zur zusätzlichen Altersversorgung aufzubauen. Anders als in der Nachbarschaftshilfe werden erbrachte und beanspruchte Dienstleistungen durch Zeitbanken formal organisiert. Zeitbanken sind zwar dem Tauschhandel innerhalb von Tauschringen sehr ähnlich, schließen aber in der Regel den Handel mit Waren aus und beschränken sich damit auf den Tausch von persönlichen Diensten.
In Deutschland lassen einige Zeitbanken und Tauschringe auch den Tausch von Gegenständen gegen Dienstleistungen zu, wenn sich Anbieter und Nachfrager über den Gegenwert an Zeiteinheiten einig werden (z.B. Kinderfahrrad gegen Garten umgraben).
Die Zeitbank selbst ist grundsätzlich ein Austauschsystem von Dienstleistungen ohne Geldvergütung und ohne Gewinnabsicht. Maßstab („Währung“) für die Verrechnung von Leistungen ist allein die aufgewandte bzw. in Anspruch genommene Zeit (=Lebenszeit der Mitglieder), unabhängig von Inhalt oder Ergebnis der Dienstleistung. Hat ein Mitglied Leistungen empfangen, gewährt es die Gegenleistung nicht unbedingt dem selben Dienstleister zurück, sondern kann diese auch gegenüber anderen Mitgliedern der Zeitbank erbringen. Geld ist meist nur für die Vergütung von belegbaren Spesen zugelassen. Deren Rahmen muss im voraus zwischen den beiden Mitgliedern geklärt werden.
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:: Funktionsweise

 


Erbrachte Leistungen werden dem Leistung erbringenden Mitglied auf dessen „Zeitkonto“ (ähnlich einem Bankkonto) gutgeschrieben. Das Konto des Leistung empfangenden Mitglieds wird mit einem entsprechenden negativen Betrag (=Zeitschuld) belastet. Diese Belastung muss durch zu erbringende Dienste ausgeglichen werden. Ein möglichst ausgeglichenes Zeitkonto wird angestrebt.
Diese Zeitgutschriften können gegen Dienstleistungen anderer eingetauscht werden (z.B. Babysitten gegen Nachhilfe). Die Zeitguthaben werden nicht verzinst, können nicht zur Kapitalvermehrung verwendet werden und bleiben dem Tauschkreislauf erhalten.
Um die Möglichkeiten einer Zeitbank zu nutzen, ist eine Mitgliedschaft Voraussetzung. In der Regel ist diese Mitgliedschaft mit einer geringen Jahresgebühr oder einem Mitgliedsbeitrag verbunden. Diese Gelder werden für den Betrieb des Systems und einer Minimalversicherung für die Mitglieder eingesetzt. Bei Eintritt wird angegeben, welche Dienste das Mitglied anbieten will. Diese werden über eine Datenbank gelistet und bei Bedarf von anderen Mitgliedern abgefragt. Die Angebote können jederzeit verändert werden und die Mitglieder können im Einzelfall entscheiden, ob sie den Dienst zum gewünschten Zeitpunkt erbringen möchten.
Etliche der bestehenden ca. 400 Tauschringe in Deutschland und auch einige Genossenschaften betreiben bereits solche Zeitbanken. Nehmen und Geben von als gleichwertig angesehenen Dienstleitungen und/oder Objekten ohne Verwendung von Geld als Tauschmittel ist dort selbstverständlich.
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:: Mal ganz praktisch

 


Die einfachste Form einer Zeitbank sind Zeitgutschriften in Papierform, oft Talente genannt. Das funktioniert bereits gut in einer kleinen Tauschgemeinschaft, wo sich die Mitglieder untereinander kennen. Wenn die Teilnehmerzahl größer ist, bietet sich die Verwendung einer Computer basierten Datenbank an, insbesondere dann, wenn über verschiedene Zeitbanken oder Tauschringe hinweg getauscht werden soll. Über Clearingstellen können Zeitguthaben sogar von einer zur anderen Organisation übertragen oder verrechnet werden. So können Mitglieder eines solchen Systems ihr Konto bei einem Umzug auch an den neuen Wohnort übertragen lassen.
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:: Zeitbanken als Vorsorge-Modell

 


Beim Modell der Vorsorge-ZeitBank ist dieser Markt, wie beispielsweise bei Fureai Kippu in Japan, deutlich enger gefasst und beinhaltet nur alle Tätigkeiten, die es den Menschen erlauben, so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung leben zu können, bevor die Pflegebedürftigkeit zu groß und die Unterbringung in einem Pflegeheim unumgänglich wird. Dieser Markt hilft insbesondere bedürftigen Menschen, die zu arm sind, um sich die notwendigen Dienstleistungen auf dem Geldmarkt einkaufen zu können. Die professionelle medizinische Versorgung und Pflege wird dabei weitgehend ausgenommen, weil diese von Fachkräften, die durch Kranken- und Pflegeversicherung finanziert werden, gewährleistet bleiben soll.
Aufgewendete Zeiten für nachbarschaftliche Hilfeleistungen können auf Zeitkonten angespart werden, um diese später, wenn man selbst Hilfe braucht, gegen Hilfeleistungen der gleichen Art zurück zu tauschen. Das kann auch als ein über viele Jahre zeitversetzter Tausch angesehen werden. Eine Vorsorge-Zeitbank ist ähnlich der gesetzlichen Rente ein Umlageverfahren, nur mit Zeit anstelle von Geld als Währung.
Erworbene Zeitguthaben können an andere Personen (Verwandte, Freunde, Bekannte) verschenkt werden, wenn man sie selbst nicht benötigt (weil man z.B. über genügend eigenes Einkommen verfügt). Zusätzlich sollte eine Vorsorge-Zeitbank ein Sozialkonto besitzen, in das nicht selbst benötigte Zeitguthaben transferiert werden und aus dem Bedürftige Zeitguthaben gespendet bekommen können, wenn sie selbst (noch) keine Guthaben ansammeln konnten.
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:: Vorteile von (Vorsorge)-Zeitbanken

 


Es gibt keine Inflation (Wertverfall), eine Stunde (Lebenszeit) bleibt immer eine Stunde.
Weil nur Zeit als Verrechnungseinheit verwendet wird, gibt es keine komplizierte (Renten-) Formel wie bei der gesetzlichen Rente, die bereits mehrfach ohne Mitwirkungsmöglichkeit der Einzahler von der Politik nach Kassenlage angepasst wurde.
Verbesserung der Vorsorgesituation insbesondere für die armen Hilfsbedürftigen, ohne die öffentliche Hand finanziell zu belasten. Sie wäre die „Vierte Säule der Altersvorsorge“. Sie ist außerdem ein transparentes und selbstbestimmtes System.
Abmilderung des Vorsorgeproblems in der Zukunft mit dramatisch anwachsender Zahl von Grundsicherungsempfängern durch die demographische Entwicklung und anhaltenden Rückgang des Lohnniveaus.
Entlastung des schlechten Gewissens der MitarbeiterInnen von Hilfsorganisationen, die die von den Kassen bezahlten professionelle medizinische Versorgung und Pflege leisten und den Bedürftigen darüber hinaus die notwendige menschliche Zuwendung nicht geben können.
Die unterschiedlichsten Hilfsorganisationen, Wohlfahrtsverbände und Vereine, die nachbarschaftliche Dienstleistungen anbieten, können ein gemeinsames System verwenden, das untereinander und regional Transparenz für Angebote und Nachfragen schafft und die Versorgung damit insgesamt wirkungsvoller gestaltet.
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:: Hindernisse und Probleme

 


Zeitbanken haben sich, noch weniger als Tauschringe, etablieren können. Das hat in Deutschland vor allem juristische Gründe. Ausgehend von der Tauschringthematik wird allen auch nur entfernt ähnlichen Organisationen seitens der Finanzbehörden automatisch eine generelle Gewinnerzielungsabsicht und die Beschaffung geldwerter Vorteile für ihre Mitglieder unterstellt. De facto dürfte aber in fast allen Tauschringe die als gemeinnützig einzustufenden Vorgänge deutlich über der 60% und bei allen Zeitbanken zu annähernd 100% als gemeinnützig einzustufen sein. Wenn seitens der Politik hier eine Änderung erfolgt, würde die Akzeptanz und Nutzung sicher stark ansteigen. Dazu müssten einige juristische Grundlagen verändert werden, Geld würde das aber kaum kosten:
Für das Ansparen von Zeiteinheiten innerhalb von Zeitbanken und Tauschringen als Pflegesparmodell bzw. Vierte Säule der Altersvorsorge ist eine Steuerfreistellung bis zu einer jährlichen Gesamtzeit von 400 Std. sinnvoll. Dies begründet sich in der zunehmenden Schwierigkeit, zukünftig Pflegeleistungen und ausreichende Alterssicherung für alle noch bewältigen und in Euro finanzieren zu können. Gleichzeitig bietet es die Möglichkeit für Erwerbslose, Ihre freie Zeit für die Sicherung Ihres eigenen Lebensabends zu investieren und sich ggf. in neuen Bereichen beruflich zu qualifizieren. Ferner wird die Gefahr, Sozialfälle im Alter zu produzieren, vermindert.
Zeitbanken und Tauschringe müssen daher wie alle anderen gemeinnützigen Vereine mit wirtschaftlichem Zweckbetrieb behandelt werden. Beispiel: viele Selbsthilfevereine im Bereich der Behindertenselbsthilfe betreiben selbst ambulante Hilfsdienste für ihre Mitglieder. Die Einnahmen und Überschüsse daraus finanzieren dabei z.B. die kostenlosen Beratungsangebote solcher Vereine und machen die gemeinnützige Arbeit überhaupt erst möglich.
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:: Daten, Zahlen, Statistik

 


Auf dem Bundes-ArbeitsTreffen der Tauschringe 2012 (BATT-2012: http://www.batt-online.de/) hat man sich in einem ersten Schritt darauf geeinigt, die deutschen Tauschringadressen auf der Homepage http://www.tauschringadressen.de/ gemeinsam zu aktualisieren und zu pflegen. Diese Liste ist noch nicht komplett und aktuell, da bisher nicht alle Tauschringe ihre Daten dort eingeben und/oder aktualisieren. Dies gilt auch für die dort angegebenen Mitgliederzahlen. Die Anzahl der Mitglieder und deren jährliche Tauschleistung lässt sich daher zur Zeit nur schätzen. Bei ca. 400 Tauschringen mit durchschnittlich 100 Mitgliedern ergibt sich eine geschätzte Gesamtzahl von 40.000 Mitgliedern. Stichproben ergeben, dass pro Mitglied und Jahr durchschnittlich 10 Zeitstunden getauscht werden. So entstehen hier ca. 400.000 Leistungsstunden pro Jahr.
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:: Bestehende Zeitbanken und Tauschringe mit Vorsorgezeitkonten

 


München: www.zeitbank.net
Westerstede (Ammerland): www.Daheim-statt-Heim-Wst.de
Eggesin(Mecklenburg-Vorpommern): www.Zeitbank-Vorpommern.de
Marktoberdorf (Allgäu): www.zeitbank-marktoberdorf.de
Winterberg-Hallenberg-Bromskirchen (Sauerland):
www.Wir-Fuer-Uns-Buergerhilfe.de
Zeitbank Thüringen e.V. in Erfurt: www.zeitbank-thueringen.de
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:: Beispiele aus anderen Ländern

 


:: Großbritannien

 


Der reziproke Austausch von Dienstleistungen und Gefälligkeiten wird vom Gesetzgeber ausdrücklich gefördert und ist steuerbefreit. Ausgenommen hiervon sind Tausch-Schemata, die auch mit Waren handeln. Sofern allerdings kein Austausch von Materialien erfolgt, ist jegliche Form von Zeittausch, inkl. des Ansparens von Zeitguthaben etc. steuerfrei. Dies wurde in mehren Debatten des Parlaments beschlossen und ist im sogenannten „Hansard“ nachzulesen. (siehe auch http://www.parliament.uk/search/results/?q=timebanking)
Die rechtliche Situation der Tauschringe und Zeitbanken als Organisationen ist daher einfacher, als in Deutschland. Vom Status her sind aktuell die meisten Charities (Wohltätigkeitsorganisationen) steuerbefreite Ltd’s. (gemeinnützige GmbH’s). Die Vorstände (board of trustees) müssen strenge rechtliche Regeln einhalten, so dass der Verwaltungsaufwand ungefähr dem einer Firma mit angehängtem Verein / Stiftung gleichkommt. Die Vorteile sind hoch: Möglichkeit der Teilnahme an Ausschreibungen gemeinnütziger Fördergelder, reduzierte Steuerausgaben für Angestellte etc., reduzierte Versicherungsprämien, Möglichkeit Spendenquittungen auszustellen usw..
Auch Versicherungen, in Großbritannien von Haus aus dem Kapitalismus verpflichtet, haben im Bezug auf Zeitbanken eine soziale Ader entwickelt und die Prämien innerhalb der letzten 10 Jahre drastisch gekürzt. Bei einigen Organisation sind die Prämien um ca. 500 % gesunken! Dies auch vor dem Hintergrund, dass seit Jahren bei allem Austausch von nachbarschaftlicher Hilfe kein einziger Versicherungsfall aufgetreten ist.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass der britische Staat die Chance erkannt hat, durch Tauschringe und Zeitbanken das Leben seiner Bürger zu verbessern ohne dafür Geld auszugeben (sofern man die ausfallenden Steuereinnahmen, nicht als Ausgaben wertet). Zeitbanken und Tauschringe sind in Großbritannien landesweit organisiert. Der letzte Stand von ausgetauschter Zeiteinheiten ist: knapp unter 25.000 Mitglieder in 305 Zeitbanken und Tauschringen haben 1,8 Mio Stunden ausgetauscht.
Weitere Informationen unter www.timebanking.org oder www.fairshares.org.uk
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:: Österreich

 


Talente-Tauschkreis Vorarlberg, Verein für organisierte Nachbarschaftshilfe, Weidenweg 2, 6850 Dornbirn
Zeitvorsorge – so sicher und beständig wie die Zeit
Der Talente-Tauschkreis Vorarlberg entwickelte ein aktives Vorsorgemodell, bei dem die Zeit als Wertmaßstab und Verrechnungseinheit dient: Wer Pflege- und Betreuungsarbeit leistet, kann diese Stunden fürs eigene Alter ansparen oder im Rahmen des Talente- Tauschkreises sofort konsumieren. Statt Vertrauen ins Geld setzen die Vorarlberger auf Vertrauen in die Gemeinschaft. Für eine erbrachte Stunde Leistung werden 100 Talente gutgeschrieben. Alternativ kann die Stunde auch geteilt werden – dann erhält das Mitglied 50 % Talente und 50 % des vereinbarten Stundensatzes in Euro. Die Talente sind an die Zeit (Stunde) gebunden. Die Wertsicherung auf Zeitbasis bewirkt, dass 100 Talente auch in 20, 40 und mehr Jahren noch eine Stunde wert sind. Der Tauschkreis Vorarlberg arbeitet in der Umsetzung des Modells eng mit Trägereinrichtungen für Pflege- und Betreuungsdienste zusammen, wobei auf die Einbindung der Gemeinden geachtet wird. Das Pflegesparkonto ist nach oben hin mit 50.000 Talenten begrenzt und kann nicht ins Minus geführt werden. Weiter Informationen: http://www.talentiert.at/uploads/media/zeitvorsorge_handoutneu.pdf
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:: USA

 


MORE, Grace Hill, St.-Louis (USA) (Member Organised Resource Exchange)
The Heart of Grace Hill
Übersetzung einer Beschreibung von Karen Hill aus dem Jahr 1997
(MORE gibt es immer noch. Die Organisation hat inzwischen über 100.000 Mitglieder. Aktuelle Informationen und Daten finden Sie hier: www.gracehill.org/content/about.php)

MORE, Grace Hill, St.-Louis (USA) (Member Organised Resource Exchange)

MORE ist ein Tauschsystem, das schon seit 1981 in St.-Louis besteht. Schon vom Umfang her lässt es sich mit deutschen Tauschringen nicht ohne weiteres vergleichen: es hat inzwischen (1997!) mehr als 15.000 Mitglieder. Außerdem hat es viele weitergehende soziale Funktionen als die in deutschen Zeitbanken oder Tauschringen bekannten. Das mag sicher auch damit zusammenhängen, dass es in den USA so etwas wie ein soziales Netz von Staats wegen nicht gibt.
Ähnlich wie hier in deutschen Zeitbanken oder Tauschringen, funktioniert MORE auf der Basis einer Verrechnung von Zeit gegen Zeit, d. h. auch dort wird von der Gleichwertigkeit der Zeit und der Menschen ausgegangen. Große Unterschiede gibt es aber in der Organisation und dem Umfang der Dienstleistungen. In St. Louis wird großer Wert auf die Bildung von Gemeinschaft gelegt. Es gibt lokale Gruppen (Stadtteilbezogen) mit jeweils einer/m Gruppenleiter/in, der nicht nur die Koordination von Dienstleistungen übernimmt, sondern auch gemeinsame Aktivitäten organisiert und die Teilnehmer beim Tausch von Leistungen unterstützt und motiviert.
Darüber hinaus ist MORE in ein umfassendes System von Hilfeleistungen für Notfälle eingebunden und arbeitet u. a. mit der Kirche und vielen anderen Institutionen zusammen. So kann MORE z.B. auch Hilfe ohne Gegenleistung gewähren, wenn Mitglieder unverschuldet in akuten Notfälle geraten (z.B. Sperre von Strom und Heizung, nichts zu essen, Rausschmiss aus der Wohnung u. v. m.). Es gibt in jedem Bezirk der Stadt St. Louis eine speziell geschulte Person, die Ansprechpartner/in für solche Fälle ist und die Organisation der Hilfsleistung übernimmt.
Es gibt bei MORE auch die Möglichkeit, sich Talent-Guthaben anzusparen für den Fall, dass man zu einem späteren Zeitpunkt hilfsbedürftig wird (Alter, Krankheit, Behinderung). Andererseits ist z. B. die Einbindung älterer Menschen ein wichtiger Schwerpunkt der Organisation. Man versucht, ihre Fähigkeiten besonders stark nachzufragen. Das bedeutet nicht nur die Bewahrung der Selbständigkeit für ältere Menschen, sondern auch Anerkennung und soziale Kontakte.
Über die üblichen Funktionen eines Tauschrings hinaus bietet MORE weitere Dienste und Unterstützung für seine Mitglieder an: Familienhilfe, Hilfe bei Wohnungssuche, Gesundheitserziehung, Erwachsenenbildung, Jobsuche.
Da inzwischen auch viele Geschäfte und sogar eine Bank in das System eingegliedert sind, können die Mitglieder über das System einen relativ großen Teil ihrer Bedürfnisse abdecken.
Positiv fällt dabei die Förderung von Eigeninitiative und Gemeinsinn auf. Es kann sein, dass ein solches System nicht unbedingt 1:1 auf uns übertragbar ist, da die amerikanische Gesellschaft in wesentlichen Punkten anders ist als unsere. Dennoch ist MORE ein gutes Beispiel dafür, was alles möglich ist, um Lebensqualität zu erhalten, auch wenn man durch Geldmangel, körperliche Einschränkungen oder soziale Benachteiligungen an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird.
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:: Danke

 


Informationen für dieses Dokument wurden zur Verfügung gestellt von: Karl-Heinz Kock (Köln), Martin Schmidt-Bredow (München), Klaus Reichenbach (Kassel), Andreas Weide (Time Banks UK), Talente-Tauschkreis Vorarlberg.
Redaktionelle Bearbeitung: Klaus Reichenbach
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